Bad Radkersburg - Wo der Süden der Steiermark zu Hause ist!
Am äußersten südöstlichen Rand der Steiermark, dort wo die Mur eine weiche Grenze zieht und das Licht bereits einen Hauch von Süden trägt, liegt Bad Radkersburg.
Die Stadt wurde 1182 erstmals erwähnt und war über Jahrhunderte hinweg Grenz- und Handelsplatz, befestigt, umkämpft, bewahrt. Noch heute spürt man diese gewachsene Schichtung aus Wehrhaftigkeit und Offenheit, wenn man durch die stillen Gassen tritt. Der historische Stadtkern, sorgfältig saniert, wirkt nicht geschniegelt, sondern ruhig gereift.
Arkadenhöfe öffnen sich hinter schweren Toren, Fassaden tragen Pastelltöne, die im Abendlicht zu leuchten beginnen. Zwischen Rathaus, Kirchenmauern und schmalen Durchgängen bleibt der Blick oft an Details hängen – an Eisenbeschlägen, Fensterläden, Schattenlinien. Es ist eine Stadt, die ihre Geschichte nicht ausstellt, sondern atmet.
Mit der Entdeckung der Thermalquelle im 20. Jahrhundert begann ein neues Kapitel. Seit 1975 trägt der Ort offiziell den Status eines Kurortes; das warme, mineralhaltige Wasser aus großer Tiefe prägt seither den Rhythmus der Tage. In der Parktherme Bad Radkersburg sammelt sich leise Gegenwart – Dampf über Wasserflächen, gedämpfte Schritte, Glasfassaden, in denen sich der Himmel spiegelt.
Am Grazertorplatz, wo einst ein Teil der mächtigen Befestigungsanlage stand, erhebt sich die Puch-Gedenkstätte – ein schmales, beinahe turmartiges Gebäude, das stadteinwärts in einer leichten Kurve steht. Die Jahreszahl 1796 ist in der Fassade verankert und erinnert an die Zeit nach den großen Stadtbränden des 18. Jahrhunderts. Hier, in der ehemaligen Schlosserei des Anton Gerschack, beendete Johann Puch um 1878 seine Lehre – jener junge Handwerker, der später mit den Puch-Werken Industriegeschichte schreiben sollte. Das Haus selbst trägt Spuren vieler Wandlungen: beschädigt im Zweiten Weltkrieg, in den 1960er-Jahren neu gefasst, mit einem Sgraffito von Dina Kerciku versehen. Das Pyramidendach mit seinen terrakottafarbenen Biberschwanzziegeln läuft in einen markanten Wetterhahn aus, darunter wacht das steirische Wappen mit dem Panther über dem achtspeichigen Rad. Ein stilles Denkmal – weniger Pathos als Erinnerung, eingebettet in den Alltag der Stadt.
Nur wenige Schritte weiter beginnt der schmale Saum der Murauen. Das Flussrauschen mischt sich mit dem Wind in den Pappeln, Kies knirscht unter den Schuhen. Hier weitet sich der Blick, hier verliert die Grenze ihre Strenge.
Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen verbindet die Brücke hinüber nach Gornja Radgona zwei Orte, die lange getrennt waren. Doch in den frühen Morgenstunden, wenn Nebel über dem Wasser liegt, scheint all das fern – dann zählt nur das leise Fließen der Mur und das Gefühl, am Rand des Landes einen stillen Mittelpunkt gefunden zu haben.
